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Abgabe von Kastraten |
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April 2008 Da ich ja schon einige meiner Info-Seiten aus einem jeweils aktuellen Anlass geschrieben habe, nun - situationsbedingt - auch meine persönliche Sichtweise zum o.g. Thema, das mir schon so lange auf der Seele brennt... Mit den nachfolgenden Zeilen will ich versuchen unterschiedliche Sichtweisen aufzuzeigen, um den Katzenliebhabern, die regelmäßig Züchterseiten besuchen und sich dabei vermutlich bei manchen über die Fluktuation wundern oder empören, vielleicht ein bisschen mehr Verständnis für einige unserer Entscheidungen zu vermitteln. Katzenzucht, auch wenn sie "nur" ein Hobby ist, dient ja in erster Linie dazu, eine Rasse zu erhalten, und - wo es notwendig ist - zu verbessern. Das schließt natürlich auch mit ein, dass man von Zeit zu Zeit ein besonders "gutes" Jungtier aus einer Verpaarung behält, um damit dann verantwortungsbewusst weiter zu züchten. Dieses Kätzchen wächst heran, wird normalerweise im Alter von einigen Monaten von seiner Mutter "abgenabelt" oder sogar "verstoßen", so wie es in der Natur ja letztendlich auch der Fall ist. Es beginnt eine Zeit von mehr oder weniger heftigen Auseinandersetzungen zwischen Mutter und Kind, die sich im Idealfall aber irgendwann legen, weil der Nachwuchs seinen Platz in der Rangordnung findet und von den älteren Mitkatzen akzeptiert wird. Es kann aber auch durchaus passieren, dass es zu keiner Einigung kommt und somit ständige, mehr oder weniger unerfreuliche, "Diskussionen" unter den rivalisierenden Pelzen auf der Tagesordnung stehen. Ich persönlich denke, dass der jeweilige Lebensraum unserer pelzigen Mitbewohner vermutlich eine nicht unerhebliche Rolle spielt, was das tägliche Miteinander, bzw. die Verträglichkeit mit ihren Artgenossen und das Verhältnis zu uns Zweibeinern betrifft. Katzen, die wie unsere zu jeder Tages- und Nachtzeit selbst entscheiden können, ob sie sich gerade im Haus oder vielleicht doch lieber im katzensicher eingezäunten Garten aufhalten möchten, sind nach meiner Beobachtung sehr viel selbstbewusster und unabhängiger als Katzen, die ausschließlich drinnen - egal ob in einer Wohnung oder in einem Haus - leben. Zumindest in Bezug auf ihr Verhalten uns Menschen gegenüber, aber sicherlich auch in Bezug auf das "Revierverhalten" ihren 4-beinigen Mitstreitern gegenüber. Als ich vor Jahren mit meinen damaligen Katzen ein Jahr lang in einer Etagenwohnung mit Balkon lebte, waren diese den Balkon ziemlich schnell leid, gingen immer nur sehr kurz raus, um dann ganz schnell wieder rein zu kommen um lieber mit mir zu kuscheln. Genauso geht es vermutlich Katzen, die nur sehr begrenzte Gehege oder abgetrennte Teilstücke eines Grundstücks zur Verfügung haben. Sie können im Prinzip ja nur beobachten, ohne selber rennen, jagen und Beute machen zu können. In einem Garten wie dem unseren jedoch können sie ein relativ artgerechtes Leben genießen, können richtig große Runden rennen, sich spielerisch jagen und dabei ihre gesamte Muskulatur trainieren. Sie können im Gartenteich angeln oder einfach nur rumpantschen, auf Bäume klettern, Beute machen, etc. Wir spielen eigentlich kaum mit unseren Katzen, denn wenn sie ins Haus kommen, haben sie entweder Hunger oder sind müde... Selbst zum Schlafen kommen sie im Sommer - je nach Witterung - nicht unbedingt rein. Solche Katzen sind in der Regel längst nicht so extrem menschbezogen und liebebedürftig wie jene, die nur in einer Wohnung leben, wenig Anreiz von außen und somit einen relativ unspektakulären Tagesablauf haben. Die reinen Wohnungskatzen warten natürlich tagtäglich sehnsüchtig auf die Rückkehr ihrer berufstätigen Bezugspersonen und können dann gar nicht genug Streicheleinheiten und Aufmerksamkeit bekommen. Intensive Spielstunden mit ihnen sind an der Tagesordnung. Der unbestrittene Nachteil unserer äußerst selbstbewussten und freiheitsliebenden Pelze ist natürlich bei manchen (zum Glück nicht bei allen!) das oben schon beschriebene ausgeprägte Revierverhalten, welches dann mitunter zu heftigen Auseinandersetzungen, dauerhafter Unverträglichkeit und irgendwann somit zur unumgänglichen Trennung führt... Nun ist natürlich die Frage, was man für sich selber, seine Katzen und seinen häuslichen Frieden für Prioritäten setzt. Auf der einen Seite gibt es Züchter, die sich von keiner ihrer Katzen jemals trennen wollen und somit über kurz oder lang ihre sicherlich zu zahlreichen Tiere, je nach Verträglichkeit, gruppenweise in verschiedenen Räumen ihrer Wohnung oder Etagen/Zimmern ihres Hauses, bzw. separaten Außengehegen, halten. Ob aus purem Egoismus oder nur, um nach außen hin einen guten Eindruck zu machen, ist hier eigentlich unerheblich. Schade ist nur, dass diese Entscheidung niemals dem Wohl der Katzen dient, denen ein artgerechtes Leben somit leider nicht ermöglicht wird.
Nachsatz Februar im 2010: Besonders "junge" Züchter, die erst seit kurzer Zeit "dabei sind", maßen sich oft ein Urteil darüber an, wie "alte" Züchter sich verhalten, bzw. kritisieren deren Abgabe von Katzen zum Teil sehr massiv. Sie sehen offenbar nur die Gegenwart und denken auch nicht ansatzweise darüber nach, wie ihr eigenes Leben sich 20 Jahre später darstellen könnte... Wollen sie allen Ernstes dann mit 30 Katzen/Kastraten oder gar mehr leben??? Darauf würde es aber unweigerlich hinauslaufen, würde man ALLE Katzen FÜR IMMER behalten. Auf der anderen Seite gibt es zum Glück aber auch Züchter, die, obwohl - oder gerade weil - sie ihre Tiere von Herzen lieben, ihren Egoismus hinten anstellen, die jeweiligen Streithähne (meist weiblichen Geschlechts) kastrieren lassen und ihnen langfristig ein neues gutes Zuhause, entweder alleine oder mit nur wenigen weiteren Kastraten suchen. Auf diese Weise kann die protestierende Katze zukünftig unbeschwert und glücklich leben, der Bestand wird nie zu groß, und der Züchter kann sich kontinuierlich weiterentwickeln, bzw. sein Zuchtziel verfolgen. Selbstverständlich gibt es auch Züchter, die sich generell von Katzen trennen, die ihrer Meinung nach irgendwann nicht (mehr) zur Zucht geeignet sind, auch wenn es keine Unverträglichkeiten gibt. In meinen Augen ist das nicht verwerflich, denn es kommt ja niemand zu Schaden. Eher das Gegenteil ist der Fall: So manche Katze lebt sicherlich glücklicher allein oder zu zweit bei lieben Menschen mit viel Platz und Zeit. Ich persönlich beneide jene Züchter wirklich grenzenlos, bei denen stets eitel Harmonie herrscht, alle Katzen sich mögen und verstehen (oder wenigstens tolerieren), die Katzenmütter sich gegenseitig bei der Aufzucht ihrer Babies helfen, die jeweiligen Katzenväter mit in der Wurfkiste liegen und ihren Nachwuchs putzen, potente weibliche Katzen jeden Neuzugang herzlich Willkommen heißen, etc. ... Dieses Glück hatte ich in den zurückliegenden nunmehr über 20 Jahren Züchterzeit leider noch nie!!! Aber ich gebe die Hoffnung nicht auf und werde meine pelzigen Mitbewohner so lange entsprechend austauschen, bis ich eine kleine friedliche Katzentruppe um mich herum habe. Es ist zwar in der Natur nicht so vorgegeben (denn wo gibt es in Freiheit komplette Katzenfamilien, die bis an ihr Lebensende glücklich zusammen leben?), aber wir Züchter finden es nun einmal sehr erstrebenswert, auch wenn es vielleicht einen Hauch von Überzüchtung bedeutet. Ich kann mich davon nicht freisprechen. Auch ich hätte gerne Friede, Freude, Eierkuchen-Harmonie unter meinen Katzen... ©
Ulrike Stelte
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