Hobby Katzenzucht

 

September 2007

Nachdem mein H-Wurf im Juli das Haus verlassen hat, habe ich wieder einmal etwas Zeit investiert, um mich auf den Info-Seiten verschiedener Katzenzüchter genauer umzuschauen. Dabei habe ich Erkenntnisse zum Thema Katzenzucht gewonnen, die regelrecht nach einer neuen Info-Seite schreien...

Neben der häufig extrem langatmigen Rechtfertigung, warum zum Beispiel ein Waldkätzchen ca. 500 Euro oder mehr als Liebhabertier und mindestens 750 Euro als Zuchttier kosten muss, fand ich auf zahlreichen Züchterseiten (und das nicht nur bei Waldkatzenzüchtern) unter anderem auch noch den Spruch: "Nur wer billig produziert, kann auch billig verkaufen!"...

Kopfschüttelnd kann ich dazu nur sagen, dass ich es schon ziemlich traurig finde, dass diese Züchter ihr doch angeblich so geliebtes Hobby offenbar eher als eine nüchterne "Produktion" sehen, denn der Umkehrschluss ist ja dann sicherlich: "Nur wer teuer produziert, darf auch teuer verkaufen", oder? Hallo??? Welchen Eindruck eine solche Äußerung auf reine Katzenliebhaber macht, entgeht diesen Menschen offenbar völlig oder ist ihnen einfach nur gleichgültig. Besucher werden von solch aufgeblasenen Phrasen sicherlich eher abgeschreckt als angezogen.

Traurig finde ich ebenfalls, dass eine große Anzahl von Züchtern, egal welcher Rassen, diese Monologe über Preise einfach nur bei irgendwem abschreibt (sehr beliebt ist da u.a. die Seite eines bekannten Maine Coon Züchters) und dann auch auf ihre eigenen Seiten setzt, offenbar nach dem Prinzip: Wenn die soviel für ihre Kätzchen nehmen, tu ich das aber auch...

Absolut oberpfui finde ich in diesem Zusammenhang übrigens jene Züchter, die zwar auf ihrer Webseite andere als „Billigzüchter“ titulieren, zusätzlich noch vehement kundtun, dass sie bei solchen Züchtern niemals kaufen würden, das dann aber (peinlicherweise!) dennoch tun - weil selbstverständlich auch diese "Billigzüchter" durchaus exzellente Tiere anbieten - und abschließend dann sogar noch die Frechheit besitzen, diese ("Billig"-)Preise zu drücken!!! So geschehen im Freundeskreis...

Auch gibt es Züchter, die vor Jahren ihre ersten Zuchtkatzen gerne zu sehr günstigen Preisen aus den heute von ihnen als "Billigzuchten" bezeichneten Catterys gekauft haben, und die heute - getreu dem Motto "Was interessiert mich mein dummes Geschwätz von gestern" ebendiese Catterys mit Schmutz bewerfen. Dafür gibt's als Bewertung ein weiteres fettes oberpfui!!!

Um verunsicherten Katzenliebhabern die Hintergründe dieser Ausführungen ein bisschen aufzuschlüsseln, teile ich nachfolgend die Züchterwelt der Einfachheit halber mal in drei Gruppen auf:

1) Echte Hobbyzüchter mit wenigen Katzen und völlig normaler Einstellung zu Zucht und Preisen

2) Gewerbliche Züchter (die sich ebenfalls gerne "Hobbyzüchter" nennen) mit - je nach der im jeweiligen Bundesland aktuellen Verordnung - vier und mehr weiblichen Zuchtkatzen und entsprechend vielen Würfen pro Jahr, sowie mindestens einem eigenen Deckkater und wenigen bis gar keinen (Alibi-)Kastraten

3) Züchter, bzw. "Vermehrer" und Katzensammler, die zwar auf ihrer Webseite eine akzeptable Anzahl von Katzen präsentieren, in Wirklichkeit aber oft doppelt bis dreimal so viele (oder sogar mehr) Tiere besitzen, ihre Zucht jedoch nicht dem Veterinäramt gemeldet haben und somit an der Meldepflicht locker vorbeizüchten

(Zur Info: Das Finanzamt ist nicht an der jeweiligen Anzahl der Katzen, sondern lediglich an eventuellen Nebeneinkünften interessiert. Eine Meldepflicht ab einer gewissen Anzahl von Zuchtkatzen <je nach Bundesland unterschiedlich> besteht jedoch beim Veterinäramt! In diesem Zusammenhang ist dann auch vom Züchter ein Befähigungsnachweis beizubringen, sowie eine Besichtigung der gegebenen Räumlichkeiten durch dieses Amt fällig. Dasselbe gilt natürlich für die unter 2) beschriebenen "gewerblichen" Züchter.)

zu 1) Die echten Hobbyzüchter haben im Idealfall 2 bis 3 weibliche Zuchtkatzen, einen eigenen Deckkater (oder auch nicht) und maximal 2 oder 3 Kastraten. Sie betreiben ihr Hobby aus Liebe zur jeweiligen Rasse und aus reiner Freude an der Aufzucht ihrer jährlich 1 bis 2 Würfe und verkaufen ihre Kätzchen - so wie ich - am liebsten an Liebhaber. Ihre Preise sind moderat und nachvollziehbar, und es liegt ihnen fern, sich an ihrem Hobby zu bereichern. Sie neigen auch nicht dazu Katzen zu sammeln, um möglichst jeden Farbwunsch der potentiellen Käufer erfüllen zu können, denn es ist ihnen bewusst, dass mit der steigenden Anzahl ihrer Katzen häufig die Harmonie untereinander ins Wanken gerät.

zu 2) Ein gewerblicher Züchter hat selbstverständlich einen wesentlich umfangreicheren „Kostenapparat“ als ein reiner Hobbyzüchter, denn er wird in seinem Bestreben, dem Finanzamt jederzeit beweisen zu können, dass er ganz sicher keinerlei Nebeneinkünfte hat, natürlich alles impfen und testen lassen, was der Markt so hergibt, ganz egal ob es Sinn macht oder nicht, und ganz zu schweigen davon, ob es für die Katzen wirklich gesund ist. Auf seinen Seiten sind häufig grenzenlos überzogene Kostenaufstellungen zu finden, die zahlreiche Posten beinhalten, die eigentlich selbstverständlich für ein angebliches "Hobby" sein sollten und ganz sicher nicht dem Käufer in Rechnung gestellt werden können. Dieser Züchter lebt offenbar in dem Wahn, dass ihn sein völlig überzogenes Verhalten potentiellen Käufern gegenüber in ein besseres Licht rückt als den verhassten "kleinen" Hobbyzüchter nebenan mit seinen "Dumping-Preisen", der seinen Katzen "nur" die ganz normale Katzenschnupfen/Katzenseuche-Impfe, verabreichen lässt, was natürlich keinen Preis von 750 Euro, geschweige denn mehr, rechtfertigt. Des Weiteren geht der gewerbliche Züchter regelmäßig, d.h. mindestens 1x pro Monat, am Wochenende zu Ausstellungen, wobei er jeweils mindestens 3, oft jedoch aber wesentlich mehr seiner Katzen präsentiert. Die dadurch entstehenden und sicherlich nicht unerheblichen (wenn auch noch so überflüssigen!) Kosten werden selbstverständlich in den Kaufpreis eines Kätzchens mit „eingearbeitet“. In meiner Infoseite über Katzenpreise habe ich übrigens zu diesem Thema bereits ziemlich deutlich Stellung bezogen, und zwar sowohl zum Thema Kosten als auch zum Thema Ausstellen.

zu 3) Die sogenannten "Züchter", die geflissentlich am Gewerbeschein/der Meldepflicht beim Veterinäramt vorbei Katzen vermehren und die Besucher ihrer Webseite betrügen, in dem sie lediglich eine "passable" Anzahl von Katzen präsentieren und den zahlreichen Rest tunlichst verschweigen, sind in meinen Augen die übelste Kategorie überhaupt. Wer als interessierter Liebhaber versehentlich an einen solchen "Vermehrer" und/oder Katzensammler gerät, kauft dort leider oft aus Mitleid, damit wenigstens dieses eine Kätzchen ein gutes Zuhause bekommt... Das ist zwar lieb gemeint, jedoch absolut falsch, denn auf diese Weise wird solchen Menschen niemals das Handwerk gelegt. Ein Anruf beim zuständigen Amtsveterinär wäre in einem solchen Fall sicherlich hilfreicher.

Wenn wir nun das Wort „Produktion“ in diesem Zusammenhang tatsächlich noch einmal aufgreifen wollen, was genau verstehen denn solche Phrasendrescher eigentlich unter „billig“?  Dass zahlreiche "kleine" Hobbyzüchter (so wie ich) einen sehr kompetenten und absolut ehrlichen Tierarzt haben, der keine Höchstsätze für seine Behandlungen nimmt, zusätzlich noch Züchterrabatt gewährt, objektiv seine Meinung zu diversen (absolut überflüssigen) Impfen & Tests sagt, obwohl diese zu seinen Haupteinnahmequellen gehören, der sich ständig weiterbildet, und der sich nicht jede Nacht in den Schlaf lacht, weil seine Kunden alles, was zu haben ist, in ihre Katzenkinder powern, um ihre überzogenen Preise zu rechtfertigen? Als „Produzenten“ können sich letztendlich doch wohl nur die oben beschriebenen gewerblichen Züchter bezeichnen, sowie jene, die am Gewerbe vorbei züchten.

Zum Sinn und Zweck (oder auch nicht) von HCM-Schallung, GSD4- und FIP-Test, FIP-Impfung, Leukose-Impfung, etc. ... (ebenfalls feste Posten auf der Rechnung der "Teuer-Züchter") gibt es übrigens ausführliche, gut verständliche und plausible Lektüre im Internet, die ich an dieser Stelle eigentlich nicht auch noch zitieren möchte, denn wer sich wirklich damit befasst hat, weiß selber was sinnvoll ist und was nicht.

ABER:  Da sich immer mehr Züchter damit brüsten, dass ihre Tiere ja schließlich alle HCM geschallt und somit aktuell unauffällig sind, kann ich mir ein paar Gedanken zu diesem Thema nicht ganz verkneifen... Aktueller Stand der Dinge ist ja, dass erst im Alter von 7-8 Jahren sicher nachgewiesen werden kann, ob eine Katze nun an HCM erkrankt ist oder nicht. Um nur ja keine "Vorsorge" (die man schließlich auch den Kitten Käufern in Rechnung stellen kann) zu versäumen, lassen zahlreiche Züchter ihre Katzen daher regelmäßig (einmal pro Jahr) schallen. Das Ergebnis ist selbstverständlich immer nur eine Momentaufnahme, die im nächsten Jahr schon wieder ganz anders aussehen kann. Da aber etliche dieser Züchter ihre Katzen aus unterschiedlichen Gründen schon im Alter von 3-6 Jahren kastrieren lassen und an Liebhaber weitergeben, wird das Thema ja nie bis zum Ende (7-8 Jahre) verfolgt, denn welcher Liebhaber wird schon seine(n) Kastraten 1x jährlich schallen lassen, um dem Züchter den Gefallen zu tun, seine "Beweiskette" zu komplettieren???

Zum Glück durchschaut ein Außenstehender und "nur" Katzenliebhaber mit entsprechendem Intellekt diese extreme  Selbstbeweihräucherung normalerweise sehr schnell und freut sich dann um so mehr, bei ganz normalen, ehrlichen Hobbyzüchtern, gesunde und liebevoll aufgezogene Kuschelkätzchen zu absolut realistischen und vertretbaren Preisen zu bekommen. 

Unsere Interessenten, die alle Jahre wieder schon im Voraus geduldig auf den nächsten "Plüsch"-Wurf warten, bestätigen dies erfreulicherweise immer wieder aufs Neue…

 © Ulrike Stelte