|
April 2010
Im August 2008 bekam ich
eine sehr nette und ausführliche e-mail von Angela, die zufällig auf
meine Seite gestoßen war und sich über meine Info-Seiten und somit
natürlich auch über meine generelle Einstellung zu vielen Katzenbelangen
freute. Sie schilderte mir ihre unterschiedlichen Erfahrungen mit
Katzenzüchtern, hatte viele, viele Fragen, und unsere gemeinsame
"Wellenlänge" hat uns letztendlich zu (e-mail)Freunden gemacht. Aus
aktuellem Anlass habe ich Sie kürzlich gebeten, ihre Sicht der
Katzen(züchter)welt doch mal aufzuschreiben und hier ist sie nun:
"Rassekatzenkauf aus der
Sicht einer Rassekatzen-Liebhaberin bzw. meine „Such-Odysee“ und daraus
resultierende Folgen.
Echte Rassekatzenliebhaber sind diesen Tieren ihr Leben lang verfallen.
Ohne wenn und aber.
1987 arbeitete ich in einer Hunde- und Katzenpension und lernte die
verschiedensten Katzenrassen kennen. Ich wusste bis dato gar nicht was es
alles gab.
Meine erste Begegnung war
die der Norweger Art. Und ich verfiel ihr.
Hoffnungslos.
10 Jahre später erfüllte ich mir diesen Wunsch. Ich kaufte mir einen
Norwegischen Waldkater. Aus einer Hobbyzucht. Heute auch bekannt unter
„Schwarzzucht“, denn er hatte keinen Stammbaum. „Damals“ fand ich das
nicht wichtig.
2008, also 11 Jahre später, begab ich mich erneut auf die Suche nach
einer Norwegischen Waldkatze. Dem-Internet-sei-Dank gab es inzwischen auch
für mich unendlich viele Informationsquellen. Homepages von Züchtern
ohne Ende. Foren von/für/mit Katzenliebhabern und Katzenzüchtern.
Also: „erst mal gucken“. Wie wohl jeder Katzenliebhaber nachvollziehen
kann erliegt man JEDEM Katzenkindbild und erst recht dann, wenn es die
ersehnte Rasse hat.
Nun gehöre ich zu den Menschen, die „einfach mal drauflos toben“. Also
fix auf „Kontakt“ geklickt und geschrieben: „Hallo, ich bin zufällig auf
Ihre Homepage gestoßen und habe „Katze X“ gesehen. Ist sie noch zu
haben? Wenn ja, was soll sie kosten?“ FEHLER! Großer, GROSSER Fehler!! Nur
wusste ich das da noch nicht.
War aber auch nicht weiter schlimm, denn ich bekam schlicht keine Antwort. Nach der
dritten Anfrage ohne Antwort habe ich meine Suchworte ausgeweitet. Und
auch die Hompages näher studiert (über die Katzenbilder hinaus). Da fand
sich dann: „Warum ist eine Rassekatze so teuer?“ oder auch „Buffy s
Tagebuch“. Und zum ersten Mal bekam ich Angst. Angst vor dem Kauf einer
Rassekatze beim Züchter.
Allerdings wurde ich beim 17ten mal dann auch etwas stutzig. Buffy ist eine
Maine Coon Katze. Warum taucht sie bei Norweger Züchtern auf? So
zahlreich? ICH wollte eine norwegische Waldkatze, nicht „Hauptsache
Halblanghaar, egal ob Maine Coon oder Norweger“? Natürlich, die
Geschichte IST traurig und sie MACHT Angst… aber immer wieder dieselbe? Irgendwann hab ich drüber weg geklickt… „Der Preis einer
Rassekatze“, sehr interessant. Vor allem dann, wenn man zwar eine
Rassekatze will, aber nicht locker 600-800 Euro hier im Norden (die
Preise variieren je Bundesland) „über“ hat. Aber es wird im Detail
erklärt:
1. Kaufpreis der Zuchtkatze
2. Kaufpreis des Zuchtkaters (alternativ: Deckgebühr)
3. Futterversorgung der Katzen (die vorher genannten)
4. Vorsorgeuntersuchungen
5. Laufende Vorsorge
6. Kosten für optimale Unterbringung der Katzen (z.B. eingezäuntes
Freigehege)
7. Laufende Vergnügungskosten (Spielzeug, Kratzbäume, Katzenklos… etc.)
8. Laufende Untersuchungen nach Deckakt
9. Mögliche Komplikationen bei der Geburt
10. Kosten für den Vereinsbeitritt
11. Kosten für die Stammbäume
12. Spezialfutter für die Kitten
13. Spielzeug für die Kitten
14. Impfungen für die Kitten
15. Ggf. Chip und Kastration für die Kitten
16. Nachsorge für die Mutterkatze (ggf. notwendig gewordene Kastration
durch Komplikationsgeburt).
Uffz… das wusste ich so nicht. Gut… könnte ich noch verstehen… wenn die
Preise dann entsprechend des Ablaufes variieren würden. Z.B.
komplikationslos = 500 Euro; komplikationsreich = 800 Euro (das sind
angenommene Werte und somit nicht relevant. Nur beispielhaft). Aber sie
variieren nicht. Sie sind fix.
Da ich bereits gelernt hatte nicht nach Preisen zu fragen, habe ich das
dann auch nicht in Frage gestellt.
Mein zweites Problem blieb noch: Freigang. Ich hatte daheim zwei
11jährige Freigänger. Nach „Internet-Katzen-Studium“ war klar:
ENTWEDER ein älteres Tier zu meinen dazu, ODER zwei junge. Ich hatte
allerdings eine blöde Jahreszeit „erwischt“, es war September.
Also sah ich zunächst nach den Notfällen. Ich fand einen Kater, der mir
sehr zusagte, er hatte Probleme in der bestehenden Gruppe. Aber
Wohnungskatze. Auf Anfrage hieß es, man habe evtl. schon eine Lösung
gefunden. Später sah ich, dass er zu der Züchterin zurück ist und dort
„Haus- und Hofkater“ wurde. Ich wurde nicht mehr kontaktiert.
Beim Stöbern im Internet stieß ich auf zahlreiche „Kriege“ unter
Züchtern. Ich kann es kaum anders nennen.
Züchter A zog über Züchter B her, der wiederum mit Verleumdung konterte
und haltlose Zustände vorwarf. Zahllose Verlinkungen führten zu weiteren
Kriegs- und Nebenkriegsschauplätzen. Warnungen vor Betrügern,
Erzählungen von übelsten Umständen. Tipps: „Augen auf beim Katzenkauf“.
Den Rassekatzenliebhabern wurde geraten, sich vorher umfangreich zu
informieren. Über mögliche Erbkrankheiten, über die Herkunft, über den
Verein in dem gezüchtet wird. Sie mögen sich vor Ort gut umsehen, die
Katzen sollten angstfrei sein. Dem Liebhaber sollte Zugang zu allen
Räumen gewährt werden und er möge fragen, fragen, fragen. Nur bitte
nicht nach dem Preis. Wer das nicht täte, sei selber Schuld.
Cool. Das ist als wenn ich mit einem Ziepen im Knie zum Arzt gehe,
selber eine Blinddarmentzündung diagnostiziere um ihm dann hinterher
vorzuwerfen eine Fehldiagnose gestellt zu haben.
Auf meiner Suche war keine Antwort noch eine der netteren Reaktionen.
Auch „ich verkaufe Ihnen keine Katze“ ging so. Bei „selber schuld, wenn
Sie ihren Kater von der Straße kratzen mussten“ habe ich schlucken
müssen. Und ich bekam Angst. Angst vor der Züchterwelt.
Liebe Züchterinnen und Züchter:
Wenn ein Liebhaber zu euch kommt und nach einer Katze fragt, dann macht
er das nicht um euch zu ärgern. Der Liebhaber ist der Laie, ihr seid die
Profis.
Natürlich soll man sich informieren, viele Liebhaber machen das auch.
Aber sie beginnen dadurch nicht Medizin zu studieren und in der Genetik
zu forschen. Und die Informationen, die man so findet, sind nicht immer
der entsprechenden Kenntnis dienlich, sondern können auch unglaublich
verwirren.
Wenn ein Liebhaber nach Freigang fragt, dann kann er nicht wissen - und
nichts dafür - wenn ein Kitten eurer Linie bei eben jenem umkam.
Wenn ein Liebhaber nach dem Preis fragt, dann kann er nicht wissen, dass
er der 17te an diesem Tag ist, er weiß vielleicht einfach nicht woraus
der Kittenpreis resultiert.
Wenn ein Liebhaber meint, ein Stammbaum sei ihm nicht wichtig, dann geht
es ihm um das Papier, er weiß vermutlich einfach nicht was darin steht.
Ich kann verstehen, warum ihr manchen Liebhaber echt doof findet, aber
bitte bedenkt: Manchmal finden auch Liebhaber Züchter doof.
Ich würde mir eine ehrliche, offene, austauschende Symbiose zwischen
Züchter und Liebhaber wünschen. Und nett darf sie auch noch sein.
Erst als ich Ulrikes Seite fand, war ich überzeugt, dass sich weiter
suchen lohnt. Endlich jemand, der meine Sprache spricht, der AUCH OHNE
KATZENANFRAGE auf meine Erfahrungen reagiert. Und mir immer mit Rat und
Tat zur Seite stand. Bis heute noch.
Ich habe zwei supertolle Norweger gefunden. Ulrike war mir stets die
Hilfe an der Seite. „Meine“ Züchterin glänzt durch Abwesenheit. Okay,
damit kann ich leben, meine Katzen sind toll."
Liebe Grüße von Angela,
einer Norweger-Liebhaberin, die selber immer mal wieder aktiv daran
mitwirkt, anderen Liebhabern klar zu machen, dass man nicht jeden Mist
glauben sollte, den man über Züchter im Internet zu lesen bekommt.
©
Angela Krüger (e-mail
Adresse wird auf Wunsch genannt)
 |