Krankhafte Tierliebe

 

Mai 2010

Wie schon so oft wieder einmal ein aktueller Anlass für einen neuen Artikel...

Seit vielen Jahren verfolge ich kopfschüttelnd schockierende Berichte über Tier-Besitzer/-Züchter, die vermutlich irgendwann einmal ganz normal mit der Anschaffung von ein paar Katzen, Hunden und/oder Kleintieren begonnen haben, dann jedoch im Lauf der Zeit den Überblick verloren und am Ende quasi in Tieren "ertranken"...

In solchen Fällen wird dann früher oder später das zuständige Ordnungsamt (unterstützt vom Veterinäramt) tätig, befreit diese bemitleidenswerten Kreaturen aus ihrem Umfeld, bringt sie vorübergehend im örtlichen Tierheim unter, päppelt sie auf, pflegt sie gesund, um sie dann irgendwann - nach erfolgter Klärung der Rechtslage - (oder etwa einem Vergleich) in gute Hände zu vermitteln. Außerdem erhält der Tierhalter/die Tierhalterin ein zeitlich begrenztes Tierhalteverbot, darf aber in der Regel 2 seiner/ihrer Tiere wieder zu sich nehmen, jedoch mit der Auflage, sie umgehend kastrieren zu lassen.

Soweit so gut. In vielen Fällen vergehen jedoch Monate, bis es zu einem entsprechenden Einsatz kommt, weil unsere deutsche Rechtssprechung offenbar keine Patentlösung für solche Situationen parat hat. Oft klagen die ehemaligen Tierhalter nach erfolgtem Eingriff der Behörden umgehend auf Herausgabe ihrer Tiere, was ich wirklich absolut nicht nachvollziehen kann, denn wenn sie doch vorher bereits kläglich versagt haben, wie wollen sie zukünftig diese Tiere dann plötzlich ausreichend ernähren und versorgen? Hinzu kommt, dass ein Tierhalteverbot leider immer nur befristet ausgesprochen wird, weil man ja schließlich von der betroffenen Person Besserung erhofft. Leider beginnt diese jedoch in vielen Fällen noch während der "Bewährungsphase", spätestens jedoch danach, munter weiter Tiere zu sammeln, bis er/sie erneut "auffällig" wird und die entsprechenden Behörden somit auch erneut tätig werden müssen.

Es gab in der Vergangenheit zahlreiche solcher Fälle mit bis zu 80 und mehr (!) Tieren in einem einzigen Haushalt, die auch durch die Presse gingen und bei vielen Tierliebhabern und Züchtern Befremden, Entsetzen und Trauer ausgelöst haben. Man fragt sich unwillkürlich was diese Menschen dazu treibt, sich über Jahre hinweg eine irgendwann absolut unüberschaubare Anzahl von Tieren zusammen zu kaufen (und sich diese auch noch willkürlich vermehren zu lassen!!!), deren Versorgung doch einen erheblichen Kostenaufwand darstellt, der mit einem Durchschnittseinkommen, geschweige denn weniger, wohl kaum zu bewältigen ist.

Häufig handelt es sich bei solchen "Tiersammlern" um Menschen mit geringfügigem Einkommen, die sehr schnell mit der Versorgung überfordert sind, Alkohol- und/oder Tablettenabhängig sind/werden, aus unterschiedlichen Gründen voller Hass und Neid auf andere Menschen sind und ihrer Sorgfaltspflicht den Tieren gegenüber irgendwann nicht mehr nachkommen können, so dass diese über kurz oder lang verwahrlosen... Unsere Gesetzgebung ist für solche Fälle leider extrem lückenhaft! Etliche Wiederholungstäter unter diesen Tiersammlern kennen jedoch jede noch so kleine Gesetzeslücke allerbestens und nutzen sie für ihre Zwecke entsprechend aus.

Ich schreibe diese Zeilen unter anderem auch, weil eine Freundin von mir sich aktuell mit einer solchen Person auseinander setzen "darf". Diese Person erscheint auf den ersten Eindruck zwar recht sympathisch, aber die Wirklichkeit sieht leider anders aus, denn er/sie erschleicht sich unter falschen Angaben - und trotz Tierhalteverbot - immer wieder neue Tiere. Dies erfuhr meine Freundin bedauerlicherweise erst kurze Zeit nach dem Verkauf eines ihrer Jungtiere an diese Person durch ein Forum, in dem sich sowohl Hunde- als auch Katzenzüchter und -liebhaber austauschen. Dort las sie mit Entsetzen unter anderem, dass ihr Käufer/ihre Käuferin einschlägig bekannt, bereits wegen diverser Betrügereien mit Haustieren vorbestraft und sogar schon einmal deswegen inhaftiert war... Was tun? Zahlreiche Telefonate mit den zuständigen Behörden verliefen zunächst unbefriedigend. Man bestätigte meiner Freundin zwar, dass man diese Person bereits seit einiger Zeit wieder mal (!) "im Auge" habe, jedoch der Zeitpunkt für einen direkten Zugriff noch nicht gekommen sei. Monate vergingen in Angst und Sorge um das verkaufte Tier...

Ich will die Geschichte an dieser Stelle abkürzen. Meine Freundin hat das betreffende Tier nach fast einem Jahr (und  durch den monatelangen Tierheimaufenthalt entsprechend angefallenen Steuergeldern, die letztendlich mal wieder die Allgemeinheit trägt!) zurück bekommen. Die äußerst massiven Anfeindungen, üblen Verleumdungen, dreisten Lügen und wiederholten Drohungen dieser Person versucht sie weitgehend zu ignorieren. Manchmal ist dies zugegebenermaßen nicht ganz einfach, denn irgendwie muss der Betrogene ja auch mit seinen Gefühlen (Enttäuschung, Sorge um das Tier, Hilflosigkeit, etc.) umgehen dürfen. Aber ihr Durchhaltevermögen hat sich in jeder Hinsicht gelohnt, denn das Tier ist in Sicherheit. Nur das zählt.

Es ist wirklich allerhöchste Zeit, dass unsere Rechtsprechung diesbezüglich grundlegend überarbeitet wird, dass "Wiederholungstäter" von den zuständigen Behörden regelmäßig kontrolliert und - bei Rückfälligkeit - entsprechend bestraft werden, und dass Verleumdung und üble Nachrede ebenfalls entsprechend geahndet werden. Die Ausrede "wir haben nicht genügend Mitarbeiter" lasse ich an dieser Stelle einfach nicht gelten, denn dazu gibt es viel zu viele Arbeitssuchende. Unsere Regierung gibt für zahlreiche - in unseren Augen oft unsinnige, bzw. nicht nachvollziehbar erscheinende - Dinge, ungeheure Summen an Geld aus. Haben Lebewesen - auch wenn es "nur" Tiere sind - wirklich einen so niedrigen Stellenwert?

Zu guter Letzt noch ein Appell an alle Tierliebhaber, die aus Mitleid ein Tier aus offensichtlich üblen Verhältnissen kaufen: Bitte tun Sie es nicht!!! Genau das trägt dann nämlich mit dazu bei, dass diese kranken Menschen sich immer wieder aufs Neue in ihrem Tun bestätigt fühlen und weiter machen...

Diese Seite wurde quasi "aus dem Bauch heraus" geschrieben und wird bezüglich Formulierung, Wortwahl und Inhalt sicherlich in der nächsten Zeit dann und wann "nachgebessert" und bei Bedarf selbstverständlich auch erweitert.
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Ulrike Stelte